Kriterien für die Auswahl des Abschlussprüfers

von Prof. Dr. Nick Gehrke am 27.10.2016 10:11:00

Teil II der Serie: "Der Aufsichtsrat sagt dem Wirtschaftsprüfer: Digitize your Audit"

There is something new: Die EU-Reform der Abschlussprüfung.

In dieser dreiteiligen Miniserie erfahren Sie, warum der Aufsichtsrat den Abschlussprüfer zukünftig strukturierter und nachvollziehbarer auswählen muss. Dabei ist es wichtig, sich an einem Kriterienkatalog zu orientieren. Insbesondere werde ich den Fokus legen auf die Anforderungen an die digitale Kompetenz des Abschlussprüfers.

  1. Der Aufsichtsrat sagt dem Wirtschaftsprüfer: Digitize your Audit
  2. Kriterien für die Auswahl des Abschlussprüfers
  3. 10 digitale Fragen des Aufsichtsrates an den Abschlussprüfer

 

 

Anforderungen an den Abschlussprüfer

Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat zur Auswahl des Abschlussprüfers ein Positionspapier verfasst, welches sich zu den Auswahlkriterien bzgl. des Abschlussprüfers äußert. Auswahlkriterien sind demnach:

 

  1. Unabhängigkeit. Der Abschlussprüfer soll unabhängig von dem geprüften Unternehmen sein. Unabhängigkeit bedeutet dabei, dass der Abschlussprüfer Höchstlaufzeiten seines Mandats nicht überschreitet. D.h. er darf nicht länger ununterbrochen Prüfer sein als das Gesetz oder unternehmensinterne Regularien erlauben (Rotationspflicht). Weiterhin dürfen Abschlussprüfungsdienstleistungen und zulässige Nicht-Abschlussprüfungsdienstleistungen nicht in einem krassen Mißverhältnis stehen. Demnach dürfen zulässige Nicht-Abschlussprüfungsleistungen 70% des Prüfungshonorars nicht überschreiten. Zudem darf der Abschlussprüfer in dem betreffenden Jahr keine verbotenen Nicht-Prüfungsleistungen erbringen. War der Abschlussprüfer ein Jahr zuvor mit Nicht-Prüfungsleistungen wie der Gestaltung des Risikomanagementsystems oder des internen Kontrollsystem tätig, so ist seine Unabhängigkeit für die anstehende Abschlussprüfung gefährdet.
  2. Qualitätssicherung. Der Abschlussprüfer sollte interne Qualitätssicherungsmaßnahmen implementiert haben. Hierzu zählen z.B. Fortbildungen der Mitarbeiter, Sicherstellung der Unabhängigkeit der Mitarbeiter und Beschwerdemanagement.
  3. Geschäftsverständnis. Der Abschlussprüfer sollte Referenzen und Kompetenzen bzgl. der Branche und des Geschäftsmodells des zu prüfenden Unternehmens nachweisen.
  4. Prüfungsteam. Die Mitglieder des Prüngsteams sollten hinreichende Qualifikationen und Erfahrungen vorweisen können.
  5. Organisation des Prüfungsprozesses. Der Abschlussprüfer sollte die personellen und materiellen Ressourcen vorweisen können, um das Unternehmen in seiner Größe und Ausdehnung, insbesondere im Falle eines Konzerns, prüfen zu können.
  6. Prüfungsansatz und -strategie. Der Abschlussprüfer sollte in der Lage sein, seinen konkreten Prüfungsansatz darzustellen. Dazu gehören auch seine Vorgehensweise und Checklisten, sowie verwendete (IT)-Prüfungstools.
  7. IT-Systeme und Prüfungs-Tools. Der Abschlussprüfer sollte seine verwendeten IT-Systeme und Prüfungstools vorstellen. Insbesondere auch, welche Datenanalysen er durchführen kann und wird. Insbesondere hier zeigt sich, ob der Prüfer in der Lage ist, eine modere Prüfung durchzuführen, um so das Potenzial der Digitalisierung in seinem eigenen Tätigkeitsbereich zu heben.
  8. Weitere wichtige Kriterien zur Auswahl können sein: Die Kommunikationsstrategie des Abschlussprüfers, insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat, das angebotene Prüfungshonorar, sowie die Präsentation des Angebots im Aufsichtsrat oder Prüfungsausschuss.

 

Topics: Aufsichtsrat, Ausschreibung, Jahresabschlussprüfung, Audit

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