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Jan Schnedler

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In vielen großen Unternehmen werden Corporate Start-Ups gegründet, um innovative Agilität zu erreichen und neue Ideen in einem „unbelasteten“ Umfeld auszuprobieren und zur Marktreife zu bringen. Hier lauern diverse Fallen. Wir verraten Ihnen, auf welche Fallen die Revision in einem Innovationsaudit achten sollte. Sie erfahren die wichtigsten Pitfalls betreffend Corporate Start-Ups.

Rechtsanwalt Jan Schnedler verrät, worauf die Revision in einem Innovationsaudit achten muss und wo die üblichen Fallen lauern, wenn Corporate Start-Ups zum Innovationsprozess gehören. Er verrät 13 Gründe, woran Corporate Start-Ups scheitern.

In unserem letzten Blog Post haben wir über die ersten 6 Fallen berichtet. In diesem Blog Post präsentiere ich Ihnen weitere 7 Fallstricke bezüglich Corporate Start-Ups: 

7. Mitarbeiter werden nicht ausreichend incentiviert

Schließlich sollte zumindest über ein virtuelles Mitarbeiterbeteiligungsprogramm oder eines Bonusprogramms zur Incentivierung der Mitarbeiter der Ausgründung nachgedacht werden. Die Mitarbeiter sollten im selben Boot sitzen und sich zumindest ein wenig wie Gesellschafter fühlen. Eine erfolgreiche Ausgründung oder ein Startup bedarf eines Einsatzes der Mitarbeiter, der weit über das eines Arbeitsverhältnisses hinausgeht. Entsprechend sollten die Mitarbeiter incentiviert sein. Abgesehen von einer virtuellen Beteiligung gibt es zahlreiche weitere innovative Incentivierungsmöglichkeiten.

Tipp: Incentivierung für Mitarbeiter in der Ausgründung mitbedenken.

8. Eigene Accelerator-Programme produzieren mittelmäßige Ausgründungen

Corporate Acceleratoren, die sich ausschließlich um eigene Ausgründungen kümmern, sind in der Regel nicht besonders erfolgreich, weil ein Acceleratorprogramm nur wirklich beschleunigen kann, wenn sehr gute Mitarbeiter beschäftigt werden und hochwertige Mentoren vorhanden sind. Das steht aber aufgrund der hohen Kosten im Widerspruch zu vielen Unternehmensstrategien, die sich auf Kostensenkung etc. konzentrieren. Eine gute Infrastruktur ist meist für die Anzahl der eigenen Gründungen nicht wirtschaftlich vorzuhalten.

Tipp: Unternehmensübergreifendes Pooling der Accelerator-Aktivitäten.

9. Falsche Berater

Eine Ausgründung benötigt ganz andere Berater als ein etabliertes Unternehmen. Häufig werden aber dieselben Berater (Die Big Five), mit denen man immer schon zusammengearbeitet hat, auch der Ausgründung zur Verfügung gestellt.

Tipp: Spezialisierte Berater für die Gründungsaktivitäten aufbauen.

10. Es bedarf Unternehmertum

Unternehmertum oder Entrepreneurship ist keine Berufsbezeichnung oder ein Beruf. Es ist vielmehr eine Motivation und ein Mindset, welches aber in gewachsenen, hierarchischen Organisationen schwer zu finden oder freizusetzen ist. Daher lohnt es sich häufig, externe Unternehmer in die Ausgründung zu holen, die den richtigen Spirit vermitteln können.

Tipp: Externe Entrepreneure können die Ausgründung beflügeln, da sie neue und agile Denkmuster einbringen, die nicht nur angelesen sind.

11. Innovationskultur kann nicht angeordnet werden

Ein positiver, aber unterschätzter Umstand ist die Auswirkung, die eine Ausgründung für das etablierte Unternehmen bedeutet. Wir konnten schon mehrfach sehr positive Effekte für das Unternehmensklima des etablierten Unternehmens beobachten, da viele Mitarbeiter die Ausgründung mit großem Interesse verfolgten und selbst gerne bei so einem spannenden Projekt mitmachen würden. Dieser Effekt kann nicht angeordnet werden, sondern muss sich durch ein cleveres Setup und einen guten Nährboden entwickeln können.

Tipp: Ausgründung kann zum Vorbild avancieren. Nutzen sie die indirekten Effekte für ihre tradierte Innovationskultur.

12. Prozesse müssen außen vor bleiben

Eine Ausgründung darf nicht den gleichen Routinen und Regulatorien ausgesetzt sein, wie das eingefahrene tradierte Tagesgeschäft. Ausgründungen müssen die Möglichkeit haben zu experimentieren und zu scheitern, am besten schnell und günstig. Mit zertifizierten Prozessen legen sie alle Kreativität in Handschellen.

Tipp: Lassen Sie Raum für die Entstehung von neuen, eigenen Prozessen. Überregulieren sie nicht die Aufbau- und Ablauforganisation der neuen Einheit.

13. Ausgründung sind aus der Mode gekommen

Häufig verliert die Geschäftsführung nach einer Weile, dass Interesse an Ausgründungen bzw. werden gesamte Ausgründungsprogramme nach zwei oder drei nicht erfolgreichen Ausgründungen gestoppt und zwar dann auch für die Ausgründungen, die durchaus noch Potential hatten nur noch nicht so weit waren.

Tipp: Geduld. Statistisch gesehen scheitern mehr Startup als erfolgreich werden und der Erfolg dauert immer länger als das Scheitern, so dass meist erst einmal ein paar Insolvenzen oder Liquidationen verkraftet werden müssen ohne das gleich das gesamte Programm in Frage gestellt werden sollte.

Über den Autor
Jan Schnedler ist Autor des Buches Startup-Recht. Rechtsanwalt Schnedler liefert in seinem Werk nicht nur einen umfassenden Überblick in Sachen juristischen Aspekte rund um Startups aller Art, nein, er schriebt dies alles auch noch in lesbarer Form zusammen. Nach der Lektüre sollten Gründer in der Lage sein, informiert Entscheidungen zu treffen, Fehler zu vermeiden oder zumindest zu korrigieren. Die Bandbreite reicht dabei von Gesellschaftsformen über Logofindung bis zum Thema Investoren-Verträge.

 

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Topics: Innovation, Startup

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